Warum wir essen ohne hungrig zu sein | Essen als Belohnung | Teil 1

Stress-Essen – Wieso, weshalb, warum…

Erschöpft kommst du nach einem langen Tag nach Hause. Der Kopf müde, der Magen knurrt. Kaum hast du deine Sachen abgelegt, tragen deine Beine dich wie von selbst Richtung Süßigkeiten-Versteck.

„Nach so einem anstrengenden Tag gönn ich mir jetzt was!“

Ehe du dich versiehst, ist die Tafel Schokolade verschwunden. Kommt dir das bekannt vor?

Egal ob es die Schokolade, die Chips oder die Pizza ist – wir wissen, dass wir uns damit nicht wirklich „etwas Gutes tun“. An Wissen über gesunde Ernährung fehlt es meistens nicht.

Da stellt sich die Frage: Wieso tun wir es trotzdem? Fehlt es an Willenskraft oder Disziplin?

Unsere Schaltzentrale im Gehirn und unsere Hormone spielen hier die Schlüsselrolle. Wieso unser Belohnungssystem beim Thema „Stress-Essen“ eine entscheidende Rolle spielt, erfährst du in diesem Blogbeitrag.

Emotionales Essen durch Stress

Heißhunger oder „Stress-Essen“ ist eine Form des emotionalen Essens. In diesem Falle sind Diäten erst Recht zum scheitern verurteilt, da sie nicht die Ursache berücksichtigen. Je nachdem wie stark dieses Verhalten ausgeprägt ist, kann es auf Dauer zu starkem Übergewicht führen.

Ein paar Gramm mehr an den Hüften sind nicht ungesund, sondern lediglich eine kosmetische Angelegenheit. Lagert sich durch Stress jedoch verstärkt Fett im inneren Bauchraum an, stellt dies ein erhöhtes Risiko für Krankheiten wie z.B. Diabetes dar. Wie genau der „Stressbauch“ entsteht und was du dagegen tun kannst, habe ich bereits in einem anderen Blogbeitrage auf erklärt:

Hilfe, dicker Bauch trotz Diät! | Stressbauch verstehen & loswerden

Wie dein Gehirn dich sabotiert

Gedanken wie „…dafür gönne ich mir heute was…“ oder „… auf den Schock brauche ich erstmal was Süßes…“ kennen wir bestimmt alle. Auch beliebt:

“Da ist ja Obst im Kuchen, also ist das gesund.”

Wenn der Drang nach einem bestimmten Essen so stark ist und du anfängst dich mit solchen Begründungen zu rechtfertigen – sei es dir selbst oder anderen gegenüber – dann hat dein Gehirn dich erfolgreich sabotiert.

Sich hier und da etwas zu genehmigen, was nun nicht klassisch als „gesund“ bezeichnet wird, ist vollkommen in Ordnung, solange es nicht zu Regel wird. Hier geht es auch nicht um das Stück Kuchen von Oma, was du gemeinsam mit deiner Familie genießt.

Stress-Essen oder emotionales Essen ist meist ein wiederkehrendes Verhalten und erfolgt häufig nicht in Gesellschaft. Wie der Name schon sagt resultiert es aus einem erhöhten Stresslevel. In diesem Falle aus Stress, häufig verbunden mit Emotionen wie z.B. Angst, Trauer, Ärger aber auch Langeweile oder Einsamkeit, die von uns als negativ bewertet werden.

In solchen Situationen ist unser Bedürfnis nach Belohnung besonders hoch. Essen schafft eine Gewisse Entspannung und verdrängt die negativen Gefühle.

Früher – Belohnungssystem zur Überlebenssicherung

Das Belohnungssystem ist ein kleiner Teil in unserem Mittelhirn. Es wurde im Laufe der Evolution „eingebaut“, um unser Überleben und unsere Weiterentwicklung sicherzustellen. Dies funktioniert, in dem es bestimmte Dinge mit der Ausschüttung von Dopamin belohnt.

Dopamin ist ein Hormon, welches uns ein gutes Gefühl gibt, uns motiviert und glücklich macht. In der Steinzeit waren Nahrungsmittel mit viel Zucker oder Fett nur schwer aufzufinden. Sammler und Jäger, die es fanden wurden mit besonders viel Dopamin belohnt, so dass sie sich immer wieder auf die Suche begaben und überlebten.

Unser Drang nach Süßem & Fettigem Essen ist also gewissermaßen angeboren und kein Mangel an Intelligenz oder Disziplin.

Dieser Mechanismus, der unseren Vorfahren das Überleben gesichert hat, kann in der heutigen Zeit jedoch zum Problem werden, wenn dadurch bspw. Übergewicht, psychischen Erkrankungen oder Suchterkrankungen begünstigt werden.

Heute: Hohes Stresslevel & Überangebot an Essen

In den letzten Jahrzehnten hat sich ein extremes Überangebot an Lebensmitteln entwickelt: besonders zuckerhaltige und fettreiche Nahrung ist immer und überall verfügbar. “Dank” Lieferservice müssten wir noch nicht mal das Haus verlassen, um Nachschub zu bekommen.

Nicht nur die Anzahl der Möglichkeiten das Belohnungssystem zu beruhigen sind gestiegen. Dies wäre ja unproblematisch, solange unser Belohnungssystem gar nicht erst nach Aufmerksamkeit schreien würde. Unser moderner Lebensstil ist jedoch geprägt von Hektik, Informationsüberreizung, sozialen Konflikten, Überlastung, Unsicherheiten und Ängsten. Kurz gesagt: Stress!

Stress bedeutet im Gehirn immer noch: G e f a h r.

Unsere Umwelt hat sich viel schneller entwickelt als unser Gehirn. Deswegen signalisiert uns unser Gehirn bei dieser vermeintlichen Gefahr immer noch “Ich will Belohnung – und zwar schnell!”. 

Verstand vs. Belohnungssystem

Je höher dein Stresslevel, desto mehr Gegenleistung (Belohnung) fordert dein Gehirn. Möchte dein Verstand dagegen ankämpfen („reiß dich zusammen und iss was Gesundes“), werden stärkere Geschütze aufgefahren, die deinen Verstand übertrumpfen. Die Stärke unsere Willenskraft entscheidet nur darüber wie lange und nicht ob wir widerstehen können.

„Nur ein Stück Kuchen hat noch niemandem geschadet.“

„Ich hab‘ ja gestern Sport gemacht.“

„Dafür esse ich einfach morgen etwas weniger.“

„Das ist Bio, also ist das gesund.“

Ich wette dir fallen noch mehr solcher Ausreden ein. Je länger wir uns kontrollieren, desto stärker wird dieser Drang eines Tages zurück schlagen (Hallo “Jojo”-Effekt). Wie eine Art Hypnose pflanzt dein Gehirn solche Gedanken ein, um deinen Verstand zu überlisten. Wer diesen fast schon Trance ähnlichen Zustand schon mal erlebt hat weiß:

Widerstand ist zwecklos.

Einem „Stress-Esser“ zu sagen „lass es doch einfach“, ist also ziemlich gemein. Denn es lässt den Eindruck erwecken, er oder sie sei nur zu faul, zu dumm oder zu undiszipliniert. Schuld- oder Schamgefühle verstärken diesen Teufelskreis nur noch weiter

Die Lösung: Mache deinen „Feind“ zum Freund!

Sind wir unserem Belohnungssystem also hilflos ausgeliefert? Nein!

Anstatt gegen unser Belohnungssystem zu kämpfen, können wir es austricksen und zu unserem Freund machen. Austricksen können wir es in dem wir andere Quellen für Dopamin suchen und in unseren Alltag einbauen.

Wie das funktioniert, findest du in Teil II dieses Blogbeitrages!

Strategien gegen Heißhunger & Stress-Essen | Essen als Belohnung | Teil 2

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